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Die medizinische Universität Innsbruck trauert um em. o. Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Klaus Wolff, Vorstand der Univ.-Hautklinik Innsbruck zwischen 1976-1981, der am 20. Dezember 2019 verstorben ist.

 

Klaus Wolff, Doyen der österreichischen Dermatologie, wurde am 4. Dezember 1935 in Hermannstadt geboren. Er begann nach seinem “sub auspiciis” Medizinstudium in Wien seine Fachausbildung in Dermatologie an der I. Univ.-Hautklinik in Wien. Bereits während seiner Ausbildung erarbeitete er ein profundes experimentelles Oeuvre auf den Gebieten der Zellbiologie, Zyto- und Immunhistochemie sowie Elektronenmikroskopie. Nach einem Forchungsaufenthalt an der Mayo Clinic, Rochester, Minnesota kehrte er nach Österreich zurück, habilitierte mit einer Arbeit über Langerhanszellen, wurde a.o. Prof., absolvierte einen weiteren Auslandsaufenthalt in Boston an der Harvard Universität und gründete  schliesslich eine Abteilung für experimentelle Dermatologie an der Universität Wien. 1976 wurde er Vorstand der Univ.-Hautklinik in Innsbruck.

 

Durch seine funktionell-experimentelle Denkweise erweckte Klaus Wolff die dermatologische Forschung aus ihrem Dornröschenschlaf der Nachkriegszeit. Aus einem weitgehend klinisch-deskriptiven Fach entstand – unter anderem während seines Innsbrucker Ordinariats – ein Quantensprung, eine neue Schule der Österreichischen Dermatologie. Klaus Wolff formte und inspirierte ein Team, das eine beispiellose wissenschaftliche Ausbeute erarbeitete. Peter Fritsch entwickelte gemeinsam mit Herbert Hönigsmann die Re-PUVA Lichttherapie zur Behandlung der Psoriasis und gemeinsam mit Raimund Pechlaner die Grundlagen der auflichtmikroskopischen Melanomdiagnostik. Georg Stingl klärte die antigenpräsentierende Funktion der Langerhanszellen auf. Werner Aberers Arbeit über Antigenverlust der Langerhanszellen durch UV-Bestrahlung wurde eine der meist zitierten Arbeiten. Gert Tappeiner beschrieb die CD4-Defizienz bei Lupus erythematodes und Immunkomplexe bei Vaskulitis. Helmut Hintner erfand das Prinzip des Antigenmappings bei blasenbildenden Hautkrankheiten. Gerold Schuler entwickelte Methoden Langerhanszellen in grösseren Mengen in Kultur zu halten u.v.a.m.

 


Abbildung 1: Die ungeheure Wirkung von Klaus Wolff als Ernährer und Mentor seines “Wolff-Rudels”.

 

Die Hauptvorlesung, die Klaus Wolff zu Beginn seiner Tätigkeit vor 6 oder 7 Studenten abhielt, wurde rasch zum Geheimtipp und bald zum Blockbuster. Die Hörer mussten stehen oder sassen am Boden.

 

Abbildung 2: Prof. Wolff im überlaufenen Hörsaal der Hautklinik Innsbruck

 

Klaus Wolff selbst schrieb über seine Zeit in Tirol: “Aber je länger wir hier waren, desto mehr schätzten wir die oft kernige, direkte, offene und verlässliche Mentalität der Menschen […] Und dazu waren die Leute voll origineller Einfälle und lachten oft und gerne. Auch ich habe, glaube ich, nirgendwo mehr gelacht als in Innsbruck”.

 

Der wissenschaftliche Geist von Klaus Wolff wirkt bis heute an der Innsbrucker Universitäts-Hautklinik nach. In Innsbruck und natürlich anschliessend während seines Ordinariats in Wien, führte er bis zu seiner Emiritierung im Jahr 2004 die Österreichische Dermatologische Schule zu Höhenflügen und wurde zu einem der bekanntesten Dermatologen unserer Zeit, Verfasser einer grossen Zahl “klassischer” wissenschaftlicher Publikationen und jahrzehntelanger Herausgeber von “Fitzpatrick’s Dermatology in General Medicine”. Klaus Wolff war Ehrendoktor mehrerer Universitäten, Ehrenmitglied zahlreicher wissenschaftlicher Gesellschaften, Träger des österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst und des Großen Silbernen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich. Er war maßgeblich an der Aufwärtsentwicklung der biomedizinischen Forschung beteiligt, weit über die Landesgrenzen hinaus.

 

Matthias Schmuth und Peter Fritsch

 

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